Abflug, TV Interview und japanisches Essen

Tag 1

Es geht endlich los

Abschiede haben ja immer etwas leicht Melancholisches. Wenn sie sich über Wochen hinziehen, können sie auch direkt etwas anstrengend werden und so waren wir froh, als wir dann gestern endlich im Flieger nach Moskau saßen.

Von dort aus begann dann der längere Flug von neun Stunden nach Tokio. Zuvor mussten wir noch durch Passkontrolle und Security Check. Auffällig war, dass Asiaten bzw. Menschen mit asiatischem Aussehen besonders gründlich überprüft wurden. Auch mir blickte die russische Dame hinter der Glasscheibe mehrmals prüfend in die Augen und schaute mit der Lupe nach, ob mein Reisepass auch nicht gefälscht war, während Sarah nach mir beinahe durch gewunken wurde.

Die Flüge selbst verliefen komplikationslos aber unbequem. Wir hatten den Fehler gemacht, veganes Essen zu bestellen und bekamen 3x den gleichen Salat + Brötchen und eine undefinierbare, aber jedes Mal unterschiedliche Pampe, die zwar vegan aber völlig geschmacklos war :x . Danke, Aeroflot!

Schlafen war auch nicht wirklich möglich, einerseits wegen der kurzen Nachtphase (wir flogen ja der Sonne entgegen), andererseits fühlt man sich in einem Flugzeugsessel eben schon etwas wie ein Tetris-Block.

Ankunft und Interview

Etwas übernächtigt und durch schlechtes Flugzeugessen gestärkt, trafen wir um ca. 11:00 Ortszeit am Narita Flughafen ein. Jetzt galt es zunächst unseren Gutschein für den Japan Rail Pass in einen echten JR Pass einzutauschen (ein 3-wöchiges Ticket für Ausländer, mit dem man ganz Japan zu einem Pauschalpreis mit dem Zug bereisen kann) und unsere erste Unterkunft zu finden.

Dazu kamen wir aber zunächst nicht. Ein kleines Team von drei Japanern bewaffnet mit einer Kamera kam auf uns zu und sprach uns an: „Japanese TV, is it ok for you to have an interview?“. Irgendein lokaler Sender wohl, der ankommende, besonders fit aussehende Fluggäste interviewen soll. Wieso nicht? Wir hatten ja eh nichts Besseres zu tun. Sie fragten uns wo wir her kommen, wie unser Verhältnis zueinander ist („zusammen verreisen, aber nicht verheiratet?!?“), was wir uns in Tokio ansehen wollen und wohin wir anschließend weiter reisen. Die Geschichte mit der Weltreise kam also entsprechend schnell ans Licht und es wurde weiter nachgehakt. Der Ablauf war dabei immer so, dass ein Japaner eine Frage auf japanisch stellte, der Zweite die Frage auf englisch übersetzte und unsere Antwort dann schließlich wieder ins Japanische. Tja, jedenfalls werden in irgendeinem japanischen Hausfrauensender in nächster Zeit vielleicht zwei verwirrte deutsche Touristen zu sehen sein.

Unterkunft und Abendmahl

Den Japan Rail Pass bekamen wir am Flughafen ohne Probleme. Zusätzlich gab es praktischerweise einen Plan vom japanischen Zugnetz und die Dame erklärte uns, wie wir zu unserem Hostel kommen. Ca. 2 Stunden, 2 Umstiege und einmal Verfahren später standen wir dann auch tatsächlich vor dem Hostel, das uns die erste Nacht beherbergen sollte. Eine kleine Backpacker-Klitsche, schlicht mit Zimmern so groß wie Streichholzschachteln, ausgelegt mit Tatami Matten und einer Matratze, die fast den gesamten Raum einnahm. Damentoilette und Duschen außerhalb im Erdgeschoss. Herrentoilette auch außerhalb, aber auf der gleichen Etage. Optimal :) .

Nach einer kurzen Ruhepause wollten wir das Hostel verlassen, um uns etwas umzusehen, Geld abzuheben und etwas Essbares aufzutreiben. Wir lernten im Eingangsbereich Mike aus Kansas kennen, einen Sänger und Weltenbummler, der die nächsten Monate hier in Tokio bleibt und uns direkt zu seinen Gesangsauftritten einlud. Die Prioritäten lagen aber erstmal bei der Nahrungsaufnahme. Da hatten wir ja bisher leichte Defizite. Wir fuhren bis „Ueno“ und fanden nach einiger Zeit auch ein schön gemütliches japanisches Lokal, wo wir „Ramen“ und „Seidentofu in pikanter Sauce“ bestellten. Die Bedienung sprach kein Wort englisch, hatte aber eine englischsprachige Speisekarte zur Hand und mit etwas gebrochenem japanisch und Smartphone Unterstützung, konnte ich ihr vermitteln, dass wir die Gerichte gern in vegetarischer Form hätten. Sie sagte ziemlich zügig „wakarimashita“ was bedeutet „habe verstanden“.

Essen kam zügig, reichhaltig, war sehr lecker und mit 1400 Yen auch preislich günstig (ca. 10 Euro). In Japan ist es nicht üblich Trinkgeld zu geben und so ließen wir uns genau rausgeben und fuhren dann schließlich heim, Schlaf nachholen.

Vom ersten Eindruck her ist Tokio laut, etwas trist, sehr belebt aber sehr organisiert und durchaus übersichtlich. Mit Plan findet man problemlos die richtigen Züge, alles ist gut ausgeschildert. Beim Einsteigen in Züge verhalten sich die Japaner sehr diszipliniert und stellen sich brav in Zweierreihen auf entsprechende Markierungen auf den Bahnsteigen. Sowas würde in Berlin niemals klappen.

11 Kommentare zu “Abflug, TV Interview und japanisches Essen

  1. Karla

    Sehr schoener, interessanter Bericht, eine Freude zu lesen!
    Wie ist das Wetter in Tokio, noch sommerlich?
    Viel Glueck eindrucksvolle Begegnungen in den kommenden Tagen beim Couch Surfen!

  2. Seeky

    Habe Euren Bericht mit grosser Freude gelesen. Wakarimashita ;-)
    Hoert sich sehr spannend an und die japanische Speisen sehen lecker aus.
    Kann kaum auf den naechsten Bericht warten.

  3. Heli

    Karla sent me your link ………u ich habe mit interesse euren bericht gelesen. ist ja so erstaunlich, wie ihr via technik in verbindung bleiben koennt, verglichen mit unseren altpalaeolithischen methoden….looking forward to further reports….
    we wish you continued best of luck, and have fun and stay well….may the road always rise up to meet you, the wind at your back and the sun shine warm on your faces !

  4. Erika und Hans

    Wir sind gerade aus Frankreich zurückgekommen und fanden Euren interessanten Bericht vor.
    Während meiner Berufstätigkeit hatten wir viel mit Japanern zu tun und haben dabei einiges beherzigt, so dass unsere Zusammenarbeit gut klappte. So war es wichitg, niemals „nein“ zu sagen, und umgekehrt hörte man auch nie ein „Nein“von unserern Freunden , so dass wir uns daran gewöhnten,dass manchmal von uns erbetene Unterlagen nie eintrafen, obwohl sie nie abgelehnt worden waren.
    Wir hatten sehr viell Spass miteinander, und ich habe selten so gelacht wie mit den Herren Tezuka, Ujida oder Uchita. Herr Tezuka, der in Hoechst-Japan für die Arzneimittelsicherheit zusltändig war, sang manchmal sehr melodisch „Am Brunnen vorf dem Tore“, aber nur, wenn enthemmt von gutem Rheinwein.
    Mein früherer Chef übrigens machte sehr gern Dienstreisen nach Japan und lernte auch Japanisch. Bevorzugt besuchte der die „Blaue Wolke“, von der er schwärmte.
    Viel Glück und alles Gute wünschen Euch
    Erika und Hans

  5. Weinij

    Es freut mich zu wissen, dass Ihr gut angekommen seid. Die Freude war umso größer, als ich mit voller Neugier Euren Bericht gelesen habe. Wahrhaftig schön und interessant, als hätte ich direkt vor Euch gesessen und Eure Stimme abwechselnd zugehört.

    Viel Glück auch von mir, weiterhin alles Gute für die neue Entdeckungsreise wünscht Euch vom Herzen

    Weinij

  6. Jamie

    Jetzt hat sich das ständige Nachschauen auf der Webseite doch gelohnt und ich freue mich sehr über euren Bericht. Hoffentlich geht’s euch gut (und die Erkältung ist jetzt doch weg)!! Und wie man so schön sagt „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“… sowas ähnliches hab ich grade schon mal gehört (und durch die blöden Autobahn-Baustellen leider auch heut Abend zum und vom Flughafen Ffm selbst erlebt *sigh*), meine Eltern sind heute zurückgekommen.
    Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit und hoffentlich viele weitere nette Begegnungen. Bin schon sehr gespannt auf den nächsten Eintrag und was ihr so zu berichten habt (freue mich vor allem auch über die Fotos). :D
    All the best and ‚read‘ you soon!
    Jamie *hugs*

  7. Katharina

    Hallo!
    Ich habe von Karla Euren Link bekommen. Ich freue mich, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, so etwas Aufregendes zu machen!
    Viele Grüße aus dem herbstlichen Lübeck!
    Katharina

  8. Anni

    Huhu ihr Beiden! Prima, dass ihr gut und wohlbehalten (wenn auch nicht fit wie ein Turnschuh) in Tokio gelandet seid!!! Ein schöner erster Reisebericht-ich freue mich auf viele Weitere ;) Nun genießt erstmal ein wenig das Weltenbummler-Dasein!
    Liebste Grüße aus Berlin!

  9. Maria

    Hallo ihr 2,

    bin frisch gebräunt von Krtea zurück gekehrt (leider mit Magen-Darm-Krippe) und hab nun gleich als allererstes nach einem Lebenszeichen von euch geschaut (und dabei ein paar mal geschmunzelt…) Hört sich doch ziemlich toll an! Wenn ich die Beam-Maschine erfunden habe, komm ich mal schnell vorbei gehuscht!
    Passt auf euch auf und genießt!

    Liebste Grüße aus Potsdam!!

  10. Andrea

    Wow… hört sich wirklich interessant an. Bin schon auf Euren nächsten Bericht gespannt. Tröstet Euch, mit Essen bestellen habe ich auch Probleme im Loiretal. Hätte wohl doch etwas mehr französisch lernen sollen. ;-)

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