Namibia: auf in den Süden

Tag 276-280

Afrika schwarz – weiß

Es war schon dunkel, als Jan und ich am Abend des 12.9. in Windhoek eintrafen. Auf der Suche nach unserem Hotel liefen wir ein paar Schritte mit unseren Rucksäcken die Straße herunter. Es dauerte nicht lange, bis uns ein weißer, junger Mann ansprach, der gerade zu seiner Freundin ins Auto steigen wollte. Es sei nachts in der Gegend nicht sicher und seiner Freundin sei erst vor wenigen Wochen bei einem Raubüberfall das Handy abgenommen worden. Wir nahmen uns seine Warnung zu Herzen und stiegen in ein Taxi, das uns zu unserem Hotel brachte, in dem wir im Voraus ein Zimmer reserviert hatten. Nach einer kurzen Suche nach einem Eingang mussten wir feststellen, dass das Grundstück abgeriegelt war. Hohe Mauern, Stahlspitzen und Elektrozäune sind auch in Windhoek üblich. Eine Klingel war nicht zu finden – nur ein beleuchtetes Schild versicherte uns, dass wir am richtigen Ort gelandet waren. Kurz nachdem wir etwas ratlos um das Gebäude herum geschlichen waren, hielt ein Wagen an und ein Mann fragte uns, ob alles in Ordnung wäre. Wir sollten uns nicht so lange auf der Straße aufhalten, weil es derzeit viele Überfälle gäbe. Er hatte ein Telefon dabei und wir baten ihn, die Nummer des Hotels zu wählen – es klingelte, doch keiner ging ran. Wir mussten uns also mit der Idee anfreunden, woanders unterzukommen. Der freundliche Herr bot an, uns zu einem anderen Hotel zu bringen, das einige Kilometer weiter lag. Dieses war deutlich teurer, aber eine große Wahl hatten wir ja nicht. Wir bedankten uns bei dem Mann und erwischten gerade noch die Rezeptionistin, die gerade dabei war, Feierabend zu machen.

Wie auch in Südafrika werden gewaltsame Übergriffe auch in Namibia vorwiegend von Schwarzen an Weißen verübt. Der Grund liegt nur zum Teil im Hass, den viele Schwarze gegen Weiße hegen. Eine größere Rolle spielt die oft extreme Ungleichheit zwischen den sehr armen Schwarzen und den wohlhabenden Weißen. Hinzu kommt, dass auch 20 Jahre nach Ende der Apartheid die Folgen dieser Ära noch deutlich zu spüren sind. Schwarze und Weiße leben in getrennten Welten und wissen wenig voneinander. Auch wenn in Namibia die Kriminalität deutlich weniger ausgeprägt ist als in Südafrika, so sind Raub und aufgebrochene Autos in Städten wie Windhoek oder Swakopmund keine Seltenheit.

Start des Roadtrips

Am Samstag zogen wir am Morgen in ein günstigeres Backpackers. Am Mittag holte ich Sarah vom Flughafen ab, die nach einem langen Flug sicher in Windhoek gelandet war. Am Nachmittag kauften wir die ersten Vorräte, da wir in den kommenden Wochen Selbstversorger sein würden. Den restlichen Tag entspannten wir im Backpackers.

Am 14.9. nahmen wir unser Auto, mit dem wir die nächsten drei Wochen durch das Land reisen würden, von Camping Car Hire in Empfang. Es handelte sich dabei um einen Nissan 4×4 Doppelkabiner mit zwei Dachzelten und vollständiger Campingausrüstung (u.a. Gaskocher, Kühlschrank). Nach einer ausführlichen Einweisung in das Auto und das Equipment ging es los Richtung Süden. Nach einem kurzen Aufenthalt am größten Staudamm Namibias, dem Hardap-Damm, erreichten wir am Abend unseren ersten Campingplatz in der Nähe von Mariental. Unsere erste Übernachtungsmöglichkeit war weitaus mehr als ein einfacher Campingplatz. Jeder Stellplatz hatte eigene Waschmöglichkeiten und eine Feuerstelle. Am ersten Abend wollte uns das Feuermachen noch nicht so gelingen, weshalb wir auf unseren Gaskocher zurückgriffen.

Am nächsten Tag ging es weiter südwärts. Das Ziel war ein Köcherbaumwald auf der „Farm Garas“, wo wir auch unsere zweite Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben. Ein liebevoll gestaltetes Plätzchen inmitten von bizarr aussehenden Bäumen und Felsbrocken. Beim Köcherbaum handelt es sich um keinen Baum, sondern um eine Aloen-Art, die etwa 5 Meter hoch werden kann. Mit Hilfe der Farmbesitzerin haben wir es dieses Mal geschafft ein Feuerchen zu entzünden. Das Zaubermittel hieß Grillanzünder.

Über endlos lange Straßen erreichten wir am nächsten Tag den Fish River Canyon, der größte Canyon Afrikas und zweitgrößte Canyon der Erde nach dem Grand Canyon. Den Abend und die Nacht verbrachten wir in Ai-Ais, einem Thermalbad im Süden Namibias.

Entlang am Orange River (dt. Oranje), der an seinem Unterlauf die Grenze zwischen Südafrika und Namibia bildet, ging es tags darauf nach Aus, eine Siedlung mit etwa 30 Einwohnern in der Namibwüste. Bei unserer Ankunft brach bereits die Dunkelheit herein und die Temperaturen fielen in kürzester Zeit auf gefühlte 5°C. Mit einem Barbeque-Paket ausgerüstet, hielten uns die Temperaturen jedoch nicht davon ab, ein Feuer zu entzünden und das erste Mal Kudu-Fleisch zu probieren.

Den nächsten Tag starteten wir mit einer Wanderung durch die Aus-Berge. Zwischendurch hatten wir immer wieder einen wunderbaren Blick über die Ebenen der Namibwüste. Am Nachmittag fuhren wir auf sandverwehten Straßen durch die Namib bis nach Lüderitz, eine Hafenstadt am Südatlantik. Unsere Übernachtung hatten wir auf einem Campingplatz auf der Halbinsel Shark Island (dt. Haifischinsel) geplant. Bei unserer Ankunft stürmte der Wind aus allen Richtungen. Nur mit viel Mühe konnten wir unsere Dachzelte aufbauen, welche bei jeder Windböe beinahe zusammenklappten. Mit der Vorstellung, in der Nacht von einem Zusammenfallen der Zelte überrascht zu werden, entschieden wir uns spontan diese Nacht in einer festen Behausung unterzukommen. Mit Hilfe eines Campingplatz-Mitarbeiters fanden wir schnell einen Bungalow in der Nähe. Später erfuhren wir, dass der Campingplatz auch „Zelt-weg-Platz“ genannt wird.

Ein Kommentar zu “Namibia: auf in den Süden

  1. Regina und Reiner

    Danke für den Beitrag und die Bilder.
    Jetzt wissen wir endlich etwas mehr über Eure Namibia Tour.
    Tolle Reise bei den Landschaften und mit den Tieren, die wir nur im
    Tierpark bzw. Zoo sehen !

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