Phnom Penh und Kampot

Tag 324-330

Weiterreise nach Phnom Penh

Den Freitag nach der Besichtigung der Tempel verbrachte ich entspannt in der näheren Umgebung und in Gesellschaft einiger Zimmergenossen. Den Samstag nutzte ich, um mir einige der Tempel in Siem Reap selbst anzusehen, die aufgrund der Prominenz von den Angkor Tempeln weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Am Sonntag, den 2.November, nahm ich den Bus nach Phnom Penh, um mit Malaika aufzuschließen, die schon einen Tag vorher gefahren war. Wieder landete ich in einem Gästehaus mit Schlafsälen, das sehr neu, sauber und klug eingerichtet war (Steckdosen direkt an den Betten mit Ablagefächern – findet man sonst nicht häufig).

Den Abend verbrachten wir mit einem Freund von Malaika, der in Phnom Penh lebt. Er fuhr uns mit seinem Wagen ein wenig herum und zeigte uns die Stadt bei Nacht. Zu Abendessen brachte er uns ins „Pyongyang“-Restaurant. „Pyongyang“ ist eine nordkoreanische Restaurantkette, die von der nordkoreanischen Regierung geführt wird und Lokale vorwiegend in China unterhält. Das Personal besteht aus einheimischen (regierungsloyalen) Menschen, die nicht nur kochen und bedienen, sondern ihren Gästen auch ein Bühnenprogramm mit Musik und Tanz bieten. Eine interessante aber auch etwas groteske Erfahrung. Die Kellnerinnen waren sehr interessiert an unserem Tisch, sprachen aber nur koreanisch und chinesisch. Die Gerichte der traditionellen koreanischen Küche waren mir noch von unserem Korea-Aufenthalt in Erinnerung. Leider waren Kameras innerhalb der Räumlichkeiten streng verboten.

Killing Fields und Völkermord

Eine der denkwürdigsten Erfahrungen, die man in Kambodscha machen kann, ist die Auseinandersetzung mit den Roten Khmer und den von ihnen verübten, grausamen Völkermorden. Als die USA und Vietnam in den 70er Jahren unter Billigung des damaligen an die Macht geputschten Armeegenerals Lon Nol den Vietnamkrieg auch nach Kambodscha trugen, wandte sich ein Großteil der Bevölkerung den Roten Khmer und ihren Unterstützern zu, die immer mehr Teile von Kambodscha eroberten. Als diese schließlich die Herrschaft übernahmen, errichteten sie nach und nach ein Regime, das aus Terror und Unterdrückung bestand. Die Ideologie, die von den Roten Khmer und ihrem Oberhaupt Pol Pot vertreten wurde, sah vor, die Landbevölkerung zu stärken und die Stadtbevölkerung radikal aus den Städten zu entfernen und zu Bauern zu machen. Praktisch jeder wurde zum Arbeiter oder zum Gefangenen gemacht und unter unmenschlichen Bedingungen zu harter Arbeit gezwungen. Zerstörte wirtschaftliche Infrastruktur und Misswirtschaft ließen die Nahrungsversorgung schnell zu einem Problem werden. Zudem wurde jeder, der im Verdacht stand mit Ausländern zu kollaborieren, eine Religion ausübte oder auch nur lesen und schreiben konnte, mitsamt seiner Familie und Kindern hingerichtet. Innerhalb von vier Jahren wurden etwa 2 Millionen Menschen ermordet – fast ein Drittel der damaligen Gesamtbevölkerung Kambodschas! Im berüchtigten Sicherheitsgefängnis 21 (kurz S-21) in Phnom Penh wurden die Insassen zu Tode gefoltert oder zu den sogenannten Killing Fields vor den Toren der Stadt deportiert, wo sie mit einfachen Werkzeugen erschlagen wurden, um Munition zu sparen.

Die bekannteste Stätte dieser Killing Fields befindet sich in Choeung Ek, das einige Kilometer südlich von Phnom Penh liegt und heute Friedhof und Gedenkstätte ist. Malaika und ich besuchten diese Stätte am Montag und erhielten zahlreiche Informationen zu den Hintergründen. Wir besuchten auch „S-21“, wo sich heute das „Tuol-Sleng-Genozid-Museum“ befindet. Am 4. November (Dienstag) sahen wir uns den Film „Killing Fields“ an, der in einigen der lokalen Kinos in Phnom Penh gespielt wird.

Ruhige Tage in Kampot

Wir hatten uns entschlossen, am Mittwoch nach Kampot weiterzureisen. Ein Zimmergenosse hatte uns den Ort aufgrund seiner schönen Lage und den eindrucksvollen Landschaften empfohlen. Die Region ist auch bekannt für ihre Pfefferproduktion und als Produzent von Durian. Nach einer ereignislosen Fahrt im Minibus, erreichten wir Kampot am frühen Abend und suchten uns ein Gästehaus.

Am Donnerstag den 6. November, unternahmen wir eine Tour in der Umgebung. Wir fuhren zu den Salz- und Pfefferfeldern und zum nicht ganz so geheimen Secret Lake „Tomnop Tek Krola“ – ein schöner, bei Einheimischen beliebter See. Abschließend ging es noch zu einem, in einer Höhle gelegenen, Tempel. Die ganze Tour war ein typisches Touristenpaket und nicht allzu aufregend oder spannend. Am schönsten waren tatsächlich die Landschaften und der See.

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