Yazd und Umgebung

Tag 244-246

Ankunft in der Wüstenstadt

Mit dem Taxi gelangten wir vom Busbahnhof ins Stadtzentrum. Wieder bezogen wir in einer traditionellen Unterkunft Quartier, dessen rechteckiger Innenhof großzügig Platz zum Essen und Verweilen bot. Vom Dach aus konnte man einen schönen Blick über die Stadt genießen. Yazd wurde im 3. Jahrtausend vor Christi an einer Oase gegründet und war lange Zeit Zentrum des zoroastrischen Glaubens. Der Zoroastrismus geht auf den Priester Zarathustra zurück. Noch heute sind Feuertempel, die Verehrungsorte der Zoroastrier, in Yazd und Umgebung zu finden. In diesen werden die heiligen Flammen gehütet, die als Symbol der Gottheit gelten. Der Einflüsse des Zoroastrismus sind in vielen Religionen zu erkennen und finden sich auch in der Anthroposophie, der Lehre Rudolf Steiners.

Yazd und Umgebung

Am Dienstag, den 12. August unternahmen wir zusammen mit zwei Italienern eine Tour mit dem Auto in die Umgebung von Yazd, organisiert von unserem Hotel. Unser erster Halt war das verlassene und antike Dorf Kharanaq, das über 1000 Jahre alt sein soll. Viele der Gebäude sind baufällig, werden aber regelmäßig instand gesetzt.
Anschließend ging es nach „ChakChak“, eine der bedeutendsten zoroastrischen Pilgerstätten, tief eingebettet in der Wüste. Der Name beruht auf einer Legende und steht für tropfendes Wasser. Nach der arabischen Invasion soll die sassanidische Prinzessin Nikbanuh zu dieser Pilgerstätte geflohen sein. Das Wasser war knapp und sie soll ihren Stab gegen die Felswand geworfen haben, woraufhin Wasser aus dem Fels zu tröpfeln begann. An dieser Stelle wurde später der Pir-e-Sabz Feuertempel gebaut und noch heute tropft dort das Wasser aus dem Fels.
Weiter ging es zur Zitadelle von Meybod (Narin Qal’eh). Auch dieses Gebäude stammt aus der Zeit der Sassaniden und zählt zu den ältesten erhaltenen Lehmziegel-Gebäuden im Iran. Von oben kann man über die Dächer der Stadt Meybod schauen und viele Windtürme (Badgirs) erspähen. Diese dienten in frühen Zeiten als natürliche Klimaanlagen zur Belüftung der Gebäude und sind stets so ausgerichtet, dass sie die kühlen Windströmungen auffangen und durchs Haus leiten können.
Nach dem Mittagessen besichtigten wir noch ein altes Postamt, eine Karavanserei, wo Einheimische heute Handarbeiten verkaufen, sowie ein kegelförmiges Eis-Haus (Yakh Dan), wo früher Eis gelagert wurde. Zum Abschluss fuhren wir zu einem alten Pigeon-Tower, ein Turm, der damals eine große Menge an Tauben beherbergen konnte, deren Exkremente als Dung auf dem Feld zum Einsatz kamen.

Die nächsten Tage verbrachten wir in den Straßen von Yazd und in unserer Unterkunft. Da es tagsüber sehr heiß war, waren wir bevorzugt am späten Nachmittag unterwegs. Am Abend des 13. Augusts sahen wir uns „Varzesh-e Pahlavani“ an, ein traditionell iranischer Kraftsport, der in einem Zurkhaneh (ein Kraftraum mit einer achteckigen Vertiefung in der Mitte) ausgeübt wird. Ursprünglich dienten die Übungen zur Vorbereitung auf Kampfsituationen. Die Eleganz der Bewegungen, die oft aus vielen Drehungen um die eigene Körperachse bestehen, ähneln zuweilen tänzerischen Bewegungen.

Für die Nacht von Donnerstag zu Freitag hatten wir ein Busticket nach Shiraz gekauft, der letzten Station unserer Iran-Reise.

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